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GAUNERSTÜCK

Badisches Tagblatt, Thomas Weiss, 06.07.2015

Millner spielt mit den Mythen Hollywoods, zitiert leicht parodierend Quentin Tarantino. Ansonsten sorgt die filmschnittartige Montagetechnik für rasche Tempowechsel, wobei sich die Aufführung immer wieder poetische Inseln gönnt.
(...) Auf einem goldfarbenen Podium (Bühne Nils Wildegans) gehen Jesus Maria und Maria ihren Tagträumen nach. Die Sympathie mit den beiden, die auch zu brutalen, menschenverachtenden Ausbrüchen neigen, wird durch die differenzierten Leistungen der Darsteller immer wieder infrage gestellt. Die Diskrepanz zwischen den Äußerungen der Personen und deren oft entgegengesetzten Handlungsweisen kommt bei Thomas Halle, der den angeblich so smarten Jesus Maria zwischen Unsicherheit und aufflammender Aggressivität anlegt, ebenso zum Tragen wie bei Sophia Löffler, die als Maria zu Beginn - den die Inszenierung in einer angedeuteten Bar spielen lässt - routiniert mit dem Barkeeper flirtet. (…) Jan Andreesen zeigt seine Wandlungsfähigkeit als Porno-Otto, der im Haus der Geschwister Schmuddelfilme produziert, als erfolglose tuntige Hellseherin oder als Juwelier mit dem treffenden Namen Herr Wunder, den er als rätselhaften Großbürger im schicken Anzug spielt.

BNN, Sibylle Orgeldinger, 06.07.2015

Wie fiktive Welten das alltägliche Leben beeinflussen, wie die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen, darauf fokussiert Carolin Millner in ihrer Inszenierung (...) Die Figuren in Dea Lohers „Gaunerstück“ changieren zwischen banal und skurril: Maria und Jesus, die aus prekären Verhältnissen kommen, Schlimmes erlebt haben und kindlichen Wünschen von Reichtum und Glück hinterherlaufen, der kleine dicke Pornofilmer, der einsam „mit blutigem Herz durch die Nacht“ rennt, der Juwelier Wunder, der einen Überfall auf sein Geschäft vortäuscht und die Versicherung betrügt. Wunders einziges Motiv: Überdruss. Realistisch ist das ebenso wenig wie ein Hollywood-Film. Aber es birgt komisches Potenzial, das die Regisseurin geschickt zu nutzen weiß.

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