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REMOTE KARLSRUHE

BNN, Andreas Jüttner, 26.06.2015

Keine Scheu vorm Friedhof: Dort beginnt eines der interessantesten Projekte zum Stadtgeburtstag ... Chance nutzen und „Remote Karlsruhe“ erleben. Vom Friedhof Grünwinkel (Treffpunkt an der Kapelle) geht es eindreiviertel Stunden lang durch die Stadt – geführt per Kopfhörer durch eine rätselhafte Automatenstimme, die zum Nachdenken über Selbst- und Fremdbestimmung anregt.

 

BNN, Michael Hübl, 17.06.2015

Der lockere Spaziergang, der mit einem gemeinsamen Blick in den Abendhimmel endet, führt zu der Erkenntnis, dass in der modernen Technologiegesellschaft Teile der menschlichen Freiheit verschüttet sind, dass das Denken und Handeln nicht nur durch Machtstrukturen, sondern durch einfache technologische Mittel fremdbestimmt wird und insofern abgestorben ist. Zwei einfache Beispiele, die der ein oder andere vielleicht selbst erlebt hat: Man fährt mit dem Auto, plötzlich kommt ein flottes Lieblingsstück im Radio und schon drückt man wie automatisch aufs Gas. Oder: Man erwägt, Urlaub in Portugal zu machen, stöbert ein wenig im Netz, und prompt füllt sich in den nächsten Tagen das E-Mail-Postfach mit einschlägigen Reiseangeboten. Bei diesen Momenten der Steuerung setzt Rimini Protokoll mit „Remote Karlsruhe“ an.
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Insgesamt ist die Teilnahme unbedingt empfehlenswert. Man lernt viel über sich selbst, über Massenverhalten und über eine möglicherweise furchtbare Zukunft.

SWR, Marie-Dominique Wetzel, 16.06.2015

 

Über ein Sound-Projekt des Regiekollektivs Rimini Protokoll Remote Karlsruhe

http://www.swr.de/swr2/kultur-info/kultur-regional-musik-sound-projekt-rimini-protokoll/-/id=9597116/did=15681774/nid=9597116/146qa2v/index.html

Stefan Kaegi vom Autoren-Regie-Team "Rimini-Protokoll" hat vor zwei Jahren ein neues Projekt unter dem Titel "Remote" gestartet. Das Publikum wird mit Kopfhörern ausgestattet und auf einen Stadtrundgang geschickt. Dabei geht es nicht um einen touristischen Spaziergang, sondern um eine neue Sichtweise auf die Stadt. Nach der Premiere in Berlin ist das Team damit nach Russland, Indien und Brasilien aufgebrochen und hat auch Erfolge auf dem Theaterfestival in Avignon gefeiert. Zum 300. Stadtgeburtstag hat das Badische Staatstheater das Klang-Projekt nach Karlsruhe eingeladen.

Ferngesteuerter Fußmarsch in die Innenstadt
Die Klang-Tour zu "Remote Karlsruhe" beginnt auf dem Friedhof Grünwinkel, am Rande der Stadt. Und dann arbeitet sich die Gruppe von etwa fünfzig Teilnehmern innerhalb von gut zwei Stunden zu Fuß in die Innenstadt vor, geleitet von der freundlichen, aber bestimmten, künstlichen Stimme aus dem Kopfhörer. "Remote control" heißt schließlich "Fernsteuerung". Die Teilnehmer werden dazu aufgefordert, sich gegenseitig beim Betrachten der Gräber zu beobachten und dann gemeinsam einen Trauerzug zu bilden.

Eine neue Wahrnehmung der Stadt
Für jede Stadt wird die Klang-Tour neu konzipiert, wobei das Team um Stefan Kaegi und seinen Co-Regisseur Jörg Karrenbauer nicht auf klassische touristische Highlights oder historische Besonderheiten eingehen. Sie versuchen, in allen Städten ganz bestimmte Orte des Alltags aufzusuchen: Friedhöfe, Parks, Shopping Malls, Krankenhäuser, Kirchen. Es geht um eine neue Wahrnehmung, um eine andere Erkundung von Stadt, erklärt Jörg Karrenbauer, der für die Realisation vor Ort zuständig ist. In Karlsruhe sind ihm zwei Dinge sofort aufgefallen, die er verwenden wollte.

"Viel Baustelle, kann man ja gar nicht umhin, wenn man in dieser Stadt unterwegs ist. Und ansonsten: es gibt hier einen sehr schönen und relativ schnell zu erreichenden Übergang von Stadt zu Land. Dazu diese Schlossnähe und Stadt. Relativ spezifisch ist, dass man plötzlich rausgeht und dann die Stadt irgendwie aufhört." Jörg Karrenbauer

"Ist das, was ich höre, auch das, was ich sehe?"
Nicht nur der Blick der "Mitläufer" wird durch die künstliche Stimme gelenkt, sondern auch deren Gedanken. Und dabei taucht immer wieder die Frage auf: ist das, was ich höre, auch das was ich sehe? Und hören alle anderen in der Gruppe dasselbe? Alles was zu hören ist, ist aufgezeichnet, also nicht live. Mal sind es Geräusche, die von den jeweiligen Orten stammen, mal Geräusche, die das, was zu sehen ist, konterkarieren. Die Reaktionen der Menschen darauf sind sehr unterschiedlich.

"Insofern gibt es immer eine Reibung des Individuums an der Gruppe und das ist eigentlich auch das, worum es im Wesentlichen geht. Und dann gibt es ja noch die ganz große Gruppe drum herum, nämlich die Leute in der Stadt, denen man begegnet, wo man sich dann auch immer fragt wer guckt jetzt eigentlich wen an. Also natürlich guckt unser Publikum die Passanten an, aber die Passanten reagieren natürlich auch auf eine Gruppe von 50 Leuten, die Kopfhörer tragen. Das ist ein permanentes Wechselspiel wo man sich auch permanent dazu verhalten muss als Einzelner im Publikum." Jörg Karrenbauer, CO-Regisseur

 

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