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IPHIGENIE AUF TAURIS

BNN, Isabell Steppeler, 15.06.2015

Ein starkes politisches Signal in einer faszinierenden Produktion.

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Und wie diese „Iphigenie auf Tauris“ in der einfühlsamen Deutung von Arila Siegert und der knisternd feinfühligen musikalischen Leitung von Christoph Gedschold das Publikum rührt und zudem auch noch auf unaufdringliche Weise 19 Flüchtlinge und damit ein aktuell brisantes Thema im wahrsten Wortsinn an Bord nimmt: Kniefall. Der Jubel ist einhellig.

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Die Solisten transportieren ihre Charaktere in diesem atmosphärisch dichten Spiel extrem einnehmend. Spätestens ab dem zweiten Akt bleibt dem Zuhörer die Luft weg. Unvergesslich jene Szene, in der Pylades Orest seine treue Freundschaft bis in den Tod zusichert und mit den Worten „La mort même est une faveur, puisque le tombeau nous rassemble“ so leise wird, dass man man außer ihm und der zarten Orchesterbegleitung nur noch sein eigenes Herz pochen hört, das in diesem Moment übrigens überläuft.

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Es ist eine Freude, wie einfühlsam und sängerfreundlich Christoph Gedschold das Orchester leitet. Armin Kolarczyk mit heldischer Kraft und Steven Ebel mit lyrischem Schmelz sind Idealbesetzungen für die Rollen des Orest und des Pylades.

 

Der neue Merker, Gerhard Hoffmann, 15.06.2015

Den absoluten Bravosturm des Abends erhielt wohlverdient Armin Kolarczyk. Der Bariton erwies sich als adäquater Orest, seine Stimme verfügt über den klaren Fokus der optimalen Rollengestaltung. Vortrefflich verstand es der Sänger mit Zwischentönen seines bestens geführten Organs zu spielen, was besonders dem Duett und der Trennungsszene zu Gute kam. Ausdrucksstark, schön timbriert, nuanciert stets auf Linie singend, portraitierte Kolarczyk auch darstellerisch facettenreich den verzweifelten Atriden-Sohn.

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Als Gestrandete fungierten äußerst eindrucksvoll in Szene gesetzt die Statisterie sowie eine Delegation von 20 in Karlsruhe beheimateten Emigranten aus nahöstlichen und afrikanischen Ländern. Zum Finale: 11 Minuten lautstarke Publikumsgunst ohne Einschränkungen.

 

Die Rheinpfalz, Rebekka Sambale, 15.06.2015

28 Rollendebüts, den Chor noch nicht mal mitgezählt. Doch während es für die neun routinierten Opernsänger normal ist, mit einer neuen Partie das erste Mal auf der Bühne zu stehen, blicken einem 19 Gesichter von Menschen entgegen, die eigentlich mal Bauarbeiter waren. Oder Schreiner oder Automechaniker. In Serbien, Eritrea, Gambia.Nun ist das Badische Staatstheater nicht das erste Haus mit der Idee, Asylbewerber auf die Bühne zu holen. Ein bisschen ist das in Mode gekommen, als integratives Projekt und künstlerische Idee. Was manchmal gewollt wirkt, passt jedoch bei „Iphigenie“. Aus der Heimat gezwungen wurde auch sie. In der neuen Rolle im neuen Land muss sie sich erst zurecht finden, ist verzweifelt.

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Das Premierenpublikum ist begeistert, möchte gar nicht mehr aufhören zu applaudieren. Besonders schön an diesem Abend aber: Neben den 18 Neulingen auf der Bühne findet sich auch im Zuschauerraum der eine oder andere, der wohl zum ersten Mal eine Oper anschaut.

 

Neue Zürcher Zeitung, Lotte Thaler, 18.06.2015

Die Tänzerin, Choreografin und Regisseurin Arila Siegert erfindet in Glucks später Reformoper eine ganz eigene Ausdrucks- und Bildsprache, die dieses Opfer- und Flüchtlingsdrama zeitlos aktuell erscheinen lässt.
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Die Regisseurin Arila Siegert verbindet in ihrer Inszenierung Archaik und Moderne mit ebenso behutsamer wie psychologisch fundierter Personenführung, wobei der Opernchor als Priesterinnen, Krieger und Eumeniden in seinen choreografierten Aktionen im Liegen, Stehen und Gehen besonders gefordert war. Arila Siegert hat sich ihre eigene, unverkennbare Theatersprache mit individuellen Chiffren für das Dargestellte erschaffen.

 

Badisches Tagblatt, Nike Luber, 15.06.2015

Katherine Tier singt eine leidenschaftliche Iphigenie. Die australische Mezzosopranistin führt ihre durchschlagsfähige Stimme in schönen Legatobögen und vermittelt die Verzweiflung der Priesterin wider Willen nicht nur im Forte-Aufschrei, sondern auch in klangvollen Piano-Passagen. Ebenso intensiv und ausdrucksstark gibt Armin Kolarczyk den Orest.

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Glucks expressive Vertonung der inneren wie äußeren Dramatik wird von den Solisten, den Chorsängern und der Badischen Staatskapelle hinreißend klangschön zur Geltung gebracht.

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Kapellmeister Christoph Gedschold und das Orchester demonstrieren ein bemerkenswertes musikalisches Einfühlungsvermögen. Sie leuchten die melodische Eleganz und Farbenreichtum der Partitur aus, aber auch die Atemlosigkeit der Protagonisten, den äußeren Sturm wie den inneren Aufruhr. Die musikalische Seite gelingt rundum überzeugend.

 

Pforzheimer Zeitung, Rainer Wolff, 17.06.2015

In der anspruchsvollen Partie der Iphigenie beeindruckt die Mezzosopranistin Katharine Tier mit dramatischer Attacke und kraftvoll tönender Mittellage
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Armin Kolarczyk, längst eine der Stützen im Karlsruher Ensemble, steuert dem Abend als von Furien gejagter Orest mit markantem Bariton und machtvollem Ausdruck eine singdarstellerisch vorzügliche Leistung bei.

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