Zur mobilen Version

Navigation einblenden

PARSIFAL

Frankfurter Rundschau, Judith von Sternburg, 31.03.2015

Die „Parsifal“-Saison wird diesmal vielleicht gekrönt, jedenfalls angeführt von einer außergewöhnlichen Neuproduktion, die der britische Richard-Wagner-Spezialist Keith Warner für das Staatstheater Karlsruhe inszeniert hat.
. . .
Wobei Warner dabei ins ganz Große zielt und doch jede Szene so sorgfältig durchgearbeitet hat, dass sich viele Regisseure genieren müssten.
. . .
Während die Bilder stilisieren, der Schwanenmörder und Tropf Parsifal etwa unter einem gigantischen Flügel auftaucht . . . bewegt sich die Personenführung ganz konkret an jedem Detail entlang.
. . .
Dass Warner Kundry zu einer schwer gestörten, aber selbstbewussten, an der Handlung lebhaft teilnehmenden Protagonistin macht, ist die klarste Umdeutung. Christina Niessen, stimmlich mächtig und grell, wo erforderlich, füllt das hinreißend aus. Ihr Gesicht spielt sein eigenes Stück im Stück.

 

BNN, Isabel Steppeler, 31.03.2015

Grandioser „Parsifal“
Eine szenisch wie musikalisch überzeugende Inszenierung
. . .
Der Wagner-erfahrene Regisseur Keith Warner aus England hat Karlsruhe einen bereichernden Opernabend geschenkt, der stattliche 260 Minuten lang spannend ist. Warner bietet eine schlüssige Deutung, die Tilo Steffens (Bühne) kongenial in Szene setzt und der Justin Brown am Pult der präzise aufspielenden Badischen Staatskapelle mit Würde ebenso wie mit Leidenschaft, mit wallender Dramatik ebenso wie mit edler Größe begegnet.
. . .
Mit viel darstellerischer Bewegung, vor allem aber mit ihren großartigen Stimmen füllen die Solisten diese Vorgänge mit Blut und Leben. Zu Gast ist der Bass Alfred Reiter als Gurnemanz. Seine dunkle Stimme betört sofort mit einer Verbindung aus sonorer Klangfülle und Sanftheit, sie ist weich in der klanglichen Beschaffenheit und von nasalem Schmelz in den Höhen.
. . .
Erik Nelson Werner ist ein hervorragender Parsifal. Sein Tenor ist schwer und voluminös ebenso wie er auch lyrischen Schmelz bietet. Schon als Hans Sachs hat Renatus Meszar in Karlsruhe überzeugt, jetzt bietet auch er ein glänzendes Rollendebüt als Amfortas, mit kräftiger Mittellage und glutvollen Höhen. Jaco Venter hat das geeignete bedrohlichem Timbre für die Rolle des Klingsor und rundet die Solistenriege ebenso gelungen ab wie Avtandil Kaspeli (Titurel), nicht zu vergessen alle Knappen, Gralsritter und Blumenmädchen.

 

Badisches Tagblatt, Nike Luber, 31.03.2015

Für das Badische Staatstheater Karlsruhe hat der britische Regisseur Keith Warner eine spannende Deutung des komplexen Werkes in Szene gesetzt. Musikalisch wird das Karlsruher Haus seiner langjährigen Wagner-Tradition mehr als gerecht.
. . .
Keith Warner füllt die an die obere Hälfte einer Welthalbkugel erinnernde Bühne mit Leben, was bei dieser ausufernden Oper keine geringe Leistung ist. Er konzentriert sich auf die Psychologie der Figuren und die sich verändernden Beziehungen untereinander.
. . .
Christina Niessen ist als Kundry mit großer Intensität präsent und meistert die enormen Ansprüche ihrer Partie mit einer schlanken, tragenden Stimme. Gekonnt setzt die Sängerin auf Ausdruck. Gerade ihrer Auseinandersetzung mit Parsifal verleiht sie dadurch Glaubwürdigkeit. Hier erlebt man eine Frau, die alle Register psychologischer Manipulation zieht und ihr Scheitern kaum fassen kann.
. . .

Der Badische Staatsopernchor vollbringt eine herausragende Leistung, vor allem in der klanglichen Sogwirkung der Blumenmädchen und Choristinnen im zweiten Aufzug. Generalmusikdirektor Justin Brown und die Badische Staatskapelle tauchen das Geschehen in eine fast schon magische Klangwelt. Der weiche Streicherklang, der dunkle Glanz der Blechbläser, die Klangschönheit der Holzbläser fügten sich zu einem bewegten, differenzierten Bild.

Getragen, dabei ohne überflüssiges Pathos, erklingen die weihevollen Momente, ganz besonders der Karfreitagszauber. Leidenschaftlich musizierte Aufschwünge illustrieren die Seelenqualen, die von Amfortas bis Parsifal jede Figur dieser Oper umtreiben. Selten wirkt Wagners "Parsifal" so zügig wie in der Karlsruher Neuinszenierung.

 

Stuttgarter Nachrichten, Susanne Benda, 31.03.2015

Szenisch lebt dieser maßgeblich von den Bildern, die auf und mit Tilo Steffens' fantasievoll-abstrakten Drehbühnen-Aufbauten entstehen.
. . .
Das ist klug gedacht . . . Erik Nelson Werner ist ein sehr ausgeglichen, ausgesprochen schön und oft sehr genau singender und artikulierender Parsifal, Renatus Meszar ein eindrucksvoll leidender Amfortas.

 

Pforzheimer Zeitung, Simon Püschel, 01.04.2015

Doch hier in Karlsruhe, wo das „Bühnenweihfestspiel“ Richard Wagners Premiere gefeiert hat, kommt keine Langeweile auf. Neben der in sich schon hochdramatischen, fordernden Musik liegt das an diesem Abend vor allem an einem: der Inszenierung des Wagner-Fachmanns Keith Warner und ihrer Tendenz, das Werk ernst zu nehmen, es dramaturgisch in Szene zu setzen, anstatt es mit fremdem Konzept zu überstülpen.

Die Szenen des Erlösungsdramas verortet Warner in einer raumfüllenden Dreh-Bühnen-Konstruktion, die sich um eine mysteriöse Kugel dreht. Ihre Ästhetik zwischen Star-Wars und Revolutionsarchitektur fängt die leblose Monumentalität der siechenden Grals-Ritter eindringlich ein. In diesem erstarrten Kosmos lässt Warner die Figuren so lebendig agieren, dass ihr Gesang aus ihrem Schauspiel folgt und nicht wie aufgemalte Musikalität wirkt.
. . .
Ein denkwürdiger Abend.

 

Operapoint, O.Hohlbach, 01.07.2015

Tosender Applaus des Publikums für die musikalische Leistung und für eine prägnant umgesetzte szenische Deutung, die auch die von weither angereisten Wagnerfreunde begeistert.

Der neue Merker, Alexander Walther, 30.03.2015

Keith Warner inszeniert vor allem die Beziehung zwischen Kundry, Parsifal und dem Zauberer Klingsor als beklemmendes psychologisches Kammerspiel, das unter die Haut geht.
. . .
Erstaunliches leisten dabei auch die Sängerinnen und Sänger. So gewinnt Renatus Meszar als Amfortas bei dessen wildleidenschaftlichen Klagen immer mehr an Statur. Christina Niessen kann ihrer Kundry vor allem in der tiefen Lage einen voluminösen Klang geben, der sich in der Höhe immer mehr intensiviert und auffächert.
. . .
Christina Niessen gelingt es hier vielmehr, die Töne mit erfrischender Leichtigkeit zu halten. Überragend interpretiert außerdem Erik Nelson Werner den Parsifal, der sich beim Schrei “Amfortas! Die Wunde!” wie aus einem Alptraum von Kundry löst.
. . .
Ausserordentliches leistet der Badische Staatsopernchor unter der kompetenten Leitung von Ulrich Wagner. Im dritten Akt erreicht er bei den enormen dynamischen Steigerungen große, packende Schlagkraft – zumal die Männer in äusserstem Zorn aufeinander losgehen. Das ist ein hervorragender Einfall von Keith Warner, der seine besonderen Qualitäten als Regisseur unter Beweis stellt. Erwähnt müssen bei dieser berührend-beglückenden Produktion aber auch noch der fulminante Extrachor des Badischen Staatstheaters sowie die Statisterie des Badischen Staatstheaters. Sie alle tragen dazu bei, Richard Wagners Bühnenweihfestspiel “Parsifal” in einem neuen Licht zu sehen.

 

Badische Zeitung, 02.04.2015

Generalmusikdirektor Justin Brown und der Badischen Staatskapelle gelingt . . . eine so schlüssige wie (fast) allzeit flüssige Darstellung der Partitur. Auch in den instrumentalen Verdickungen, den dynamischen Verdichtungen behält der Klang seine federnde Schlankheit, seine sehr sensibel anmutende Gelenkigkeit und Biegsamkeit.
. . .
Und dann die Farben! Wie der Dirigent die Timbres von Streichern und Bläsern bis zur Ununterscheidbarkeit mischt: Da ist es, als nähere sich der offene Karlsruher Graben dem verdeckten in Bayreuth an.
Was auf dieser Basis ebenso eindrucksvoll für die Karlsruher Opernarbeit spricht, ist die überaus sorgfältige und auf äußerste Wort- und Sinnverdeutlichung gerichtete vokale Vorbereitung.
. . .
Donnerbeifall.

 

Rheinpfalz, Karl Georg Berg, 01.04.2015

Eine nachdenkenswerte Inszenierung
. . .
Der . . . knapp sechsstündige Abend ist nicht zuletzt aufgrund des zwingenden Dirigats ein in jedem Takt packendes musikalisches Erlebnis.

Opernnetz.de, Eckhard Britsch, 31.03.2015

Justus Brown lässt die Musik wunderbar strömen, die Tempi wirken natürlich aus sich selbst heraus, die leitmotivischen Bezüge sind fein austariert und die Badische Staatskapelle geht hoch konzentriert zu Werke. Da hört man gerne zu, denn die Musik aus dem Graben packt einen, zumal die Chöre dicht und dinglich eingepasst werden.

SWP.de, Nike Luber, 02.04.2015

Eine spannende Deutung
. . .
Warner füllt die Bühne mit Leben, was keine geringe Leistung ist. Er konzentriert sich auf die Psychologie der Figuren.
. . .
GMD Justin Brown und die Badische Staatskapelle schaffen eine fast magische Klangwelt. Der weiche Streicherklang, der dunkle Glanz der Blechbläser, die Klangschönheit der Holzbläser fügen sich zu einem bewegten, differenzierten Bild. Selten wirkt "Parsifal" so zügig.

Opernglas, J.-M. Wienecke, 30.04.2015

… ein musikalischer wie szenischer Volltreffer.

Navigation einblenden