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FANTASIO

Dieter David Scholz, SWR 2, Cluster, 15.12.2014

Die Ausgrabung von Jacques Offenbachs „Fantasio“ ist eine kleine Sensation. (…) „Fantasio“ ist wahrscheinlich der Schlüssel zum Verständnis der europäischen Romantik im 19. Jahrhundert. (…) Nun endlich kann man am Badischen Staatstheater die originale Gestalt des Werks erleben: In der vitalen Inszenierung von Bernd Mottl , die Otto Pichler launig durchchoreographiert hat. (…) Die sängerische Besetzung mit der jungen türkischen Mezzosopranistin Dilara Bastar als Fantasio und der bulgarischen Koloratursopranistin Ina Schlingensiepen als Theres in den weiblichen Hauptpartien ist vorzüglich. Auch die übrige Besetzung aus dem eigenen Ensemble, einschließlich des  singschauspielerisch und tänzerisch sehr engagierten Badischen Staatsopernchors, läßt keinen Wunsch offen. (…) Das Karlsruher Premierenpublikum (…), darunter viele angereiste Offenbachianer, feierte die Reanimierung des Stücks (…) enthusiastisch. Zu Recht!

 

Detlef Brandenburg, Deutsche Bühne online, 14.12.2014

Eine ganze musikalische Welt in einer Nussschale! (…) Was neben dem außerordentlich facettreichen Klangbild vor allem fasziniert, ist die phantastisch irrlichternde Vielschichtigkeit dieser Opéra-comique. (…) Andreas Schüller entledigt sich seiner vertrackten Aufgabe bravourös. All‘ die vielen  unvermittelten Stimmungsumschwünge gestaltet er mit einer Wendigkeit (…), dass es eine Freude ist. Zudem bringt er im fein gewebten, nie dicken oder diffusen Klangbild Offenbachs Instrumentationsfinessen bestens zur Geltung. Das Klangbild funkelt nur so vor exquisiten Farben. Bei der Premiere stand Schüller zudem ein ausgezeichnetes Sängerensemble zur Verfügung.

 

Michael Stallknecht, Süddeutsche Zeitung, 15.12.2014

Als herzallerliebstes Fachwerkländchen zeigt Regisseur Bernd Mottl in Karlsruhe dieses Deutschland, aufgehübscht mit einem Schuss Schwarzwaldromantik und beschirmt von einer übergroßen bayerischen Krone. (…) Die Farben sind mit äußerster Vorsicht hingetupft (…). „Nächtlich“ klingt das alles, von romantischen Schimmern durchzogen. (…) Drei großartige, schwierig zu singende Liebesduette hat Offenbach für den Fantasio der Dilara Bastar und die Elsbeth der mit großartigen Koloraturen brillierenden Ina Schlingensiepen geschrieben.

 

Nike Luber, Badisches Tageblatt, 15.12.2014

Ein Fest für Bühnenbildner Friedrich Eggert. (…) Regisseur Bernd Mottl belässt es nicht beim Zitieren bajuwarischer Klischees. Er zeigt ein Händchen für amüsante Details. (…) Dilara Bastar singt mit klangschönem Mezzo die romantisch-verhaltenen Arien Fantasios. (…) Wie Katharine Tier als Hofdame und die Opernchoristinnen die bockige Braut dann doch ins Brautkleid stecken, ist ein echtes Highlight. Ina Schlingensiepen als Theres wehr sich mit Koloraturen. (…) Choreograf Otto Pichler hat dafür gesorgt, dass nicht nur geredet und gesungen wird, jede Nummer ist bewegungstechnisch durchgestylt. Es ist viel los auf der Bühne. (…) „Fantasio“ erklingt in Karlsruhe so feinsinnig, oft geradezu kammermusikalisch transparent, wie es komponiert wurde.

 

Isabel Steppeler, Badische Neueste Nachrichten, 15.12.2014

Star des Abends ist der Ungar Dennis Sörös in der Rolle des Spark. Sein Bariton hat wunderschöne Farben, sein Spiel ist flink und überzeugend. Das gilt auch für Gabriel Urrutia Benet als Prinz von Mantua und Klaus Schneider als dessen Adjutant. Die Szenen mit den beiden lassen einen tatsächlich schmunzeln. Hut ab vor dem Dialekt von Renatus Meszar als König von Bayern. Der Wagner-Interpret hat freilich auch großartige Durchschlagskraft für die Rolle des Regenten, die er mit Humor ausfüllt. Wundervoll ergänzt wird die Solistenriege durch den Chor (Ulrich Wagner), durch Katharine Tier als Hofdame, und durch Max Friedrich Schäffer, Nando Zickgraf sowie Daniel Pastewski als feixende Studenten. Viele Ohrwürmer, symbolisierende Klangfarben und melancholische Walzerseligkeit birgt die vielschichtige und anspruchsvolle Partitur Offenbachs, die Andreas Schüller sehr nuancenreich aufblühen lässt. Dank der großartigen musikalischen Leistungen ist es unterm Strich ein Gewinn.

 

Opernwelt, Heinz W. Koch, 05.02.2015

... Am Badischen Staatstheater ist für neugierige Offenbach-Freunde angerichtet: Dort gibt es die Opéra comique «Fantasio» in der Urfassung zu hören, erstmals seit den nicht übermäßig erfolgsgekrönten ersten Wiedergaben 1872 in Paris und in Wien....: Es lohnt sich. Hat man es doch mit einer unverkennbaren Vorstudie zu «Hoffmanns Erzählungen» zu tun. ...

 

Karl Georg Berg, Rheinpfalz, 16.12.2014

Andreas Schüller (…) wusste am Pult der locker spielenden Badischen Staatskapelle mit klarem, trockenem Ton, rhythmischer Spannkraft und Detailtreue die Reize der Partitur wirkungsvoll zu vermitteln. (…) Die Musik des „Fantasio“ ist vielfältig. (…) Sängerisch ist das Stück durchaus anspruchsvoll – unter anderem mit virtuosen Koloraturaufgaben für die Prinzessin Theres. Diese wurde von Ina Schlingensiepen mit komödiantischem Pfiff, aber auch Anmut und gewohnt großer technischer Sicherheit gegeben. Die Titelpartie ist eine Hosenrolle und verlangt ebenfalls neben Komik auch lyrische Empfindung. Die junge Mezzosopranistin Dilara Bastar sang mit biegsamer, klangschöner Stimme und agierte mit sympathischer Spielfreude.

 

Joachim Lange, NMZ online, 15.12.2014

Ina Schlingensiepen (…) brilliert mit Koloraturen, Dilara Bastar in der Hosenrolle des Fantasio (…) kann mit Leidenschaft seine Liebes- und Friedensbotschaft unters Volk bringen. Klaus Schneider ist ein passgenauer Adjutant.

 

Eckhard Britsch, Opernnetz online, 16.12.2014

(…) singt Ina Schlingensiepen die prägnanten Koloraturen lustvoll aus. Sie macht gute Figur im Zwiespalt von politischen Anforderungen und pochendem Herzen. Die Bühne hat Friedrich Eggert witzig ausgestattet. Wir sehen weiß-blaue Rauten, verspielte Fachwerkblenden und morbide Palais-Fassaden, die sich als Vorhang-Illusionen entpuppen. Denn Wirklichkeit und Wahn sind identisch. Die Kostüme von Alfred Mayerhofer zitieren Lederhosen und Tegernsee-Trachten, und alles atmet die leichte Ironie über ein Dasein, das sich selbst entlarvt. Denn der Prinz von Mantua, den der gepflegte Bariton Gabriel Urrutia Benet schelmisch-vorzüglich profiliert, ist eigentlich ein kleinkarierter Potentat, der sich schnell fügt, wenn die politischen Umstände gegen ihn sind. (…) Andreas Schüller beweist mit der Badischen Staatskapelle, warum er als Gastdirigent am Pult steht: Spritzig, transparent und jede Volkstümelei parodierend, spielt das Orchester auf. (…) Die Premiere erhält sehr viel, vielleicht auch nachdenklichen Beifall.

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