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BALLETT: MYTHOS

Badisches Tagblatt, Sabine Rahner, 24.03.2014

Zum Abend allgemein

Birgit Keil verfolgt auch bei der Verpflichtung von Gastchoreografen ein klares Konzept - jede Arbeit bringt ihr Ensemble voran, erweitert den künstlerischen Horizont der Tänzer und des Publikums. Der neue Ballettabend im Großen Haus des Badischen Staatstheaters ist eine weitere Perle dieser Kette, die einen Erfolg an den anderen reiht.

Der dreiteilige Ballettabend wird auf einer blendend weißen Rundbühne von Sebastian Hannak getanzt, die für alle drei "Mythen" verwendet wird, aber jedes Mal vollkommen anders wirkt. Die Kostüme von Judith Adam und Heidi de Raad verbinden die Eleganz der Bewegungen mit hochklassigem Design. Der ganze Abend zeigt eine fein abgestufte, von Stefan Woinke raffiniert ausgeleuchtete Delikatesse – schöne Bilder voll tiefer Gedanken.

Badische Neueste Nachrichten, Susanne Schiller, 24.03.2014

Zu Der Fall M.

Der Auftakt der jüngsten Ballettpremiere (...) hätte von seiner inhaltlichen Dichte einen ganzen Abend getragen. Und doch spricht es gerade für die Qualität des begabten Choreografen Oliveira, dass er seiner Sicht auf "Medea" in noch nicht einmal einer Stunde Gestalt gegeben hat. ...) Bruna Andrade gelingt es, mit ihrem reifen Ausdrucksvermögen alle emotionalen Spielarten zwischen Hass, Rache, Leidenschaft und Verzweiflung so auf den Punkt zu bringen, dass ihre ausgezeichneten tänzerischen Fähigkeiten fast zur Selbstverständlichkeit werden. Ähnliches gilt für Flavio Salamanka, der der Betrogenen seine vor Männlichkeit strotzende Ablehnung entgegensetzt.

Die Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 28.03.2014

Zu Der Fall M.

Der Fall M. rückt die tragische Verstrickung der unglücklichen Medea in den Vordergrund, die zur Mörderin an ihren Kindern wird und sich nun vor einem surreal überhöhten Gericht verantworten muss. Im Rückblick wird ihre Not entwickelt, aus der ihre Bluttat entsteht. Reginaldo Oliveira (…) macht aus der Beziehung des Paares eine eindringliche psychologische Studie, in der verzweifelte Zärtlichkeit und schroffe Zurückweisung, wahnwitziges Leid und berührende Verletzlichkeit in dramatischen Kontrast treten.

Badisches Tagblatt, Sabine Rahner, 24.03.2014

Zu Orpheus

Die Musik von Philip Glass und Plegges Choreografie passen ideal zueinander, im Ergebnis ist diese Fassung der Geschichte dem Altbekannten völlig entrückt und liefert gerade aus dieser Distanz neuen Stoff zum Nachdenken.

Pforzheimer Zeitung, Nike Luber, 27.03.2014

Zu Orpheus

Tim Plegge zeigt einen allein alt gewordenen Orpheus, der immer noch versucht, seine Geliebte doch noch zu fassen. Blythe Newman tanzt eine zauberhaft zerbrechliche Eurydike. Eben noch jagte sie verspielt mit Pablo dos Santos als jugendlichem Orpheus über die Bühne, da ereilt sie der Tod. Schwarze Blätter regnen auf die Bühne. Wie sehr es Orpheus auch versucht, Eurydike ist nicht zurückzuholen. Dafür findet Plegge eine überraschend dynamische, fantasievolle Choreografie.

Badisches Tagblatt, Sabine Rahner, 24.03.2014

Zu Spiegelgleichnis

So rasant, so feurig (Musik: Giovanni Sollima), so akrobatisch-virtuos ist Ballett nicht alle Tage. Die beiden Solistenpaare Bruna Andrade/Flavio Salamanka und Blythe Newman/Admill Kuyler führen kraftvoll und mit sprühender Tanzlust das große Ensemble an, das vom Schattenspiel bis zum Spiegelkabinett alle Formen der Selbstbetrachtung durchhechelt, mit viel Witz und hohem Tempo.

Eßlinger Zeitung, Angela Reinhardt, 26.03.2014

Zu Spiegelgleichnis

Mit der jazzig angehauchten, intellektuellen Cellomusik des Postminimalisten Giovanni Sollima hat sich Mannes auch den interessantesten Dialogpartner ausgesucht für die raffinierten Selbstreflexionen der Tänzer in Schattenspielen und einem Spiegelkabinett. Ständig stehen sie sich selbst gegenüber: gespiegelt, verdreifacht, vergrößert, fragend und fasziniert zugleich. Dabei findet der Choreograf die perfekte Balance zwischen Effekt und Tanz, immer wieder fegt das Corps in den schicken Kostümen von Heidi de Raad über die Bühne, nur ein Joker im roten Kleid durchbricht die dunkle Eleganz der Vexierbilder und löst das Ganze am Schluss in Gelächter auf – ein durchaus zweideutiger Schluss für Tänzer, diese sich ständig im Spiegel betrachtenden Wesen.

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