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BALLETT: DORNRÖSCHEN – DIE LETZTE ZARENTOCHTER

die-deutsche-bühne.de, Eckehard Uhlig, 19.11.2013

Über Anastasias Vergangenheits-Sehnsuchtsglück werden traditionelle Petipa-Versatzstücke und balletteuse Highlights – allenfalls verändert und im Handlungsablauf umgestellt – durch die Erinnerungstür wieder eingeführt und mit glamourösem Zarenhof-Ambiente ausgeschmückt.

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Im Rosenadagio, das mit prächtigen Kostümen und einem Rosengirlanden-Gitter im floral umkränzten Park seinem Namen alle Ehre macht, werben nicht mehr adelige Prinzen um die inzwischen erwachsene (Dornröschen-)Anastasia (Bruna Andrade). Vielmehr stellt sie ihrer Familie einen schwarz gekleideten Unbekannten (den grandios tanzenden Admill Kuyler) als ihren Partner vor. Begeistert und begeisternd demonstriert Alexei (Flavio Salamanka) einen zackig-rasanten Solotanz, das Liebespaar seinerseits den ersten Pas de deux mit triumphierenden Hebefiguren und mehreren Soli.

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Nach der Pause folgt noch einmal eine prunkende Zaren-Gala, die sich durch berauschende Eleganz der Sprungfolgen und Bilderbuch-Poissons sowie allerhand bunte Divertissements auszeichnet. Darunter das großartige Duo der blauen Vögel (Sabrina Velloso und Pablo Dos Santos): Er schnellt mit sprungfederleichten, im Flug in der Taille abwinkelnden assemblés grands wie weiland Nijinski in die Höhe, sie schmeichelt in rhythmisch akzentuierter Figuration mit ihrem Mädchen-Charme. Alle diese Schönheiten werden von Kapellmeister Christoph Gedschold am Pult und der Badischen Staatskapelle im Orchestergraben einfühlsam punktgenau mit der Tschaikowski-Ballettmusik unterlegt.

Quelle: http://www.die-deutsche-buehne.de/Kritiken/Tanz/Youri+V%C3%A1mos+D%C3%B6rnr%C3%B6schen+Die+letzte+Zarentochter/Zarenballett

Pforzheimer Zeitung, Nike Luber, 20.11.2013

Nun ist die Tschaikowsky-Trilogie komplett, und wie schon in „Schwanensee“ und „Nuss-knacker“ wird nicht einfach die bekannte Geschichte nachgetanzt sondern ein anderer Blick auf das Stück gesucht. Choreograf Youri Vamos erzählt zur „Dornröschen“-Musik von einer Frau, die nur in ihren Vorstellungen oder Erinnerungen glücklich sein kann. Für sie gibt es keinen Prinzen, keinen Kuss und keine Zukunft, sondern einen schwarz gekleideten Fremden, der sie in ihre Märchenträume begleitet.

Für die geträumten Feste am Zarenhof hat Ausstatter Michael Scott aus dem Vollen geschöpft. Vor dem überlebensgroßen Porträt des Zaren tanzen die Prinzessinnen in glitzernden Kleidern und mit Krönchen auf dem Kopf.

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In den Zarenhof-Szenen feiert das Badische Staatsballett den klassischen Tanz. Darunter besticht das humorvolle Pas de deux des Katzenpaares, das sich kratzbürstig gibt. Ein Fest für Fans des klassischen Balletts stellt das virtuos getanzte Pas de deux der blauen Vögel dar.

Badische Neueste Nachrichten, Susanne Schiller, 18.11.2013

Das Stück (...) wird die Freunde romantischer Tanzkunst nicht enttäuschen. Die Version des Tschaikowski-Balletts (...) deutet zwar die Liebesgeschichte zwischen Prinz und Prinzessin um und hinterlegt sie mit dem Schicksal der vermeintlichen letzten Zarentochter Anastasia (...) Der Kunstgriff von Vámos, die romantischen Handlungen mit geschichtlichen oder literarischen Stoffen zu kombinieren, bleibt zweifellos bis heute spannend.

Badisches Tagblatt, Christiane Lenhardt, 18.11.2013

Der ungarische Choreograf Youri Vámos ist ein Meister der Adaption der grossen Handlungsballette für die Gegenwart, die er mit leichter Hand inszeniert. Am Badischen Staatstheater Karlsruhe (...) hat sein "Dornröschen - Die letzte Zarentochter" (...) einen glänzenden Eindruck mit der noblen Ausstattung (Michael Scott) und dem hohen tänzerischen Können der Karlsruher Compagnie hinterlassen.

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Im Lichterglanz des seidengrünen Thronsaals (...) leben auch Erinnerungen an das Ballett des legendären Marius Petipa auf. Seine choreografischen Meisterleistungen (...) finden sich in der Zarengeschichte Vámos‘: variiert als immer kürzer werdende Rückblenden und Überblendungen und stringent eingepasst in die düsteren Bilder der Anastasia. Schönheit allein ist seine Sache nicht. Er schafft Spannung durch Kontraste. Mit Leichtigkeit und Witz wird die Schwere der Geschichte noch hervorgehoben.

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Trotz der überzeugenden Inszenierung von Geschichte (...) liegt das Schwergewicht bei Vámos auf dem Tanz. Für die dunklen Akte, in denen die traumatisierte Anastasia vom kalten Sibirien bis in die abweisende Großstadt Berlin gelangt, wo sie sich in die Spree stürzt, schafft er anrührende Bilder und eine poetische Tanzsprache, die den Absturz der Gefühle auffangen.

Die Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 25.11.2013

Ein Musterbeispiel, wie aus einer kleinen, ganz nebensächlichen Rolle ein grandioses Porträt entstehen kann, bietet Flavio Salamanka als liebenswerter Alexei, der sich einmal mehr als uneitler, ensembledienlicher Tänzer von grandioser Virtuosität und Gestaltungskraft bewährt. Sabrina Velloso und Pablo dos Santos statten die Blauen Vögel mit entzückender Anmut aus, und als Katzen-Duo zeigen Blythe Newman und Arman Aslizadyan ein hübsches Bravourstück grotesken Ausdrucks.

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