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RIO REISER – KÖNIG VON DEUTSCHLAND

Musicals, 01.02.2014

„Von der Rebellion gegen das Estalishment und vom ständigen Kampf zwischen Utopie und Überleben erzählt Heiner Kondschaks lauter, lustiger und trauriger Liederabend über Rio Reiser … im Opernhaus des Badischen Staatstheaters, wo sich zur zweiten Aufführung Denkwürdiges ereignet. Seriöse Anzugträger stehen am Schluss headbangend in den Reihen, gepflegte grauhaarige Damen grölen gemeinsam mit jungen Spontis laut den Refrain mit: Der Polit-Rock lebt.
…mit einem beängstigend guten Hauptdarsteller: Jan Andreesen hat selbst das Zeig zum Rockstar, derart stark identifiziert er sich mit dem getriebenen, musikbesessenen, unbequemen Sänger – bis hin zu dessen typischer Überbetonung der Diphthonge.“

 

Badisches Tagblatt, 30.09.2013

"Günthers genaue … oft ironisch-hintersinnige Regie lässt die 70er mit ihren heute unfreiwillig komisch wirkenden Szene-Ritualen lebendig werden. Sie zeigt ansatzweise, wie Reiser und die Band von unterschiedlichen politischen Gruppen instrumentalisiert wurden und trotz großer Popularität an ihrem Ende in den 1980er Jahren nichts als einen Berg von Schulden hinterließen.

Der vom Karlsruher Publikum gefeierte Jan Andreesen (Reiser) zeichnet die Brüche der Figur ebenso eindrucksvoll nach, wie er gesanglich überzeugen kann. Und Florentine Krafft begeistert mit ihrer Wandelbarkeit von Christine Schily bis hin zu einer höchst komischen, dabei nie überzeichnet wirkenden Claudia Roth."

 

Badische Neueste Nachrichten , 30.09.2013

„Das muss man erst mal hinkriegen: Im Großen Haus des Badischen Staatstheaters, wo sonst filigranes Ballett und opulente Oper gezeigt werden, rockt eine Band die Anarcho-Hymne „Keine Macht für niemand“ – und in die donnernden Schlussakkorde hinein donnern die fast 1 000 Besucher mit „Standing Ovations“ zurück. Zum Spielzeitauftakt hat das Karlsruher Schauspiel seinem erfolgreichen Dylan-Abend eine musikalische Biografie zu Rio Reiser und seiner Band Ton, Steine, Scherben folgen lassen – und mit deren Erfolg auch eine Art Hausbesetzung vollzogen.

Erkennbar wird der Spagat des Abends,wenn die Songs mit den prägendsten Slogans gar nicht („Macht kaputt, was euch kaputt macht“) oder erst als Zugabe („Keine Macht für niemand“) auftauchen, dafür aber schon die Scherben-Geschichte durchsetzt wird mit Liedern aus Reisers angeblich so unergiebiger Solokarriere, etwa dem ironischen „Manager“ oder dem eingängigen „Für immer und dich“. Das wirft die Frage auf, wer hier nun wen besetzt: die Protestkultur das Unterhaltungstheater oder umgekehrt.

Klammert man diese Frage allerdings aus, dann ist der tosende Applaus angemessen. Denn da ist ja noch die Musik, packend arrangiert von Jan S. Beyer und Jörg Wockenfuß (der als Keyboarder Jörg Schlotterer mitspielt) und schlichtweg grandios gespielt von der Band (neben den erwähnten Bauer und Wockenfuß noch Hagen von der Lieth als Bassist Kai Sichtermann, Dominik Knapp als Gitarrist R.P.S. Lanrue sowie die „Reporter“ Robert Besta und Nathanael Lienhardt an Geige und Cello). Jan Andreesen läuft in der zweiten Hälfte zu großer Form auf, wenn sein Rio in völliger Selbstverausgabung dem frühen Tod entgegengeht. Genial ist das Finale mit „Junimond“, Reisers wohl größtem Hit, dessen Zeile „Ich bin hier oben auf meiner Wolke“ man danach nicht mehr so hören kann wie zuvor. Und wenn Andreesen als allerletzte Zugabe ganz allein am Klavier „Halt dich an deiner Liebe fest“ singt, dann darf die Utopie der Scherben endlich mal ganz ironiefrei funkeln.

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