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DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER

BNN, Andreas Jüttner, 22.03.2013

Hier kann eine Theaterfassung für frisches Leben sorgen – und das tut die Aufführung im Studio des Karlsruher Staatstheaters auf packende Weise. Zum einen funktioniert das Konzept, die Bühne (Michael Köpke) aus dreh- und verschiebbaren Wandelementen zum „Spiegelkabinett“ von Werthers Innenleben zu machen: Mal jagt das dreiköpfige Ensemble dazwischen herum wie durch ein Labyrinth, mal evozieren Videobilder (Jonas Plümke) die Harmonie der beschriebenen Naturerlebnisse, dann wieder steht Werther inmitten überdimensionaler Portraits von Lotte und verzweifelt an seiner Sehnsucht nach ihren schwarzen Augen. Und immer wieder füllen sich die Wände mit Schrift – und wenn diese Projektionen auch die Schauspieler überlagern, wird darauf verwiesen, dass das Ende ihres Spiels wahrhaft vor-geschrieben ist.
Die Spannung der eindreiviertelstündigen Aufführung rührt daher, dass sie dieses Vorwissen des Zuschauers immer wieder kontrastiert mit der Arglosigkeit der Figuren. So gibt Veronika Bachfischer der Lotte jene Natürlichkeit, die Werthers Herz gerade dadurch gewinnt, dass sie es nicht darauf anlegt. Jan Andreesens Albert wiederum ist als nüchterner Rationalist die nötige Gegenfolie zu Werther, den Michael Brandt sich expressiv einverleibt: Das überquellende Glück des Verliebtseins gestaltet er ebenso vital wie den wachsenden Furor der egozentrischen Verzweiflung.

Die Rheinpfalz, Rüdiger Krohn, 23.03.2013

Mit dieser „Loop“-Technik, in der die Figuren musizierend und mit sich selbst redend in heillosen Spiralen versinken, setzt die Aufführung eine labyrinthische Mechanik in Gang, die im Bühnenbild von Michael Köpke mit drehbaren Spiegelkabinetten und überlappenden Projektionsflächen eine schlüssige Visualisierung erfährt. Hier hat – in Werthers Raserei über Lottes beiläufige, von ihm als Liebesgeständnis missverstandene Anrede „Adieu, lieber Werther“, in seiner wahnhaft verzückten Gefühlseuphorie oder den vielfachen, folgenlosen Rufen „Lebe wohl!“ – die Aufführung ihre intensivsten Momente.

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