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SYMPOSIUM: VOM MANN, DER IN DEN WELTRAUM FLOG

Immersive Installationen und performative Objekte

Thematisches Wochenende konzipiert und organisiert von und mit Lehrenden und Studierenden des Fachbereichs Ausstellungsdesign und Szenografie der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe, des Instituts für Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen, veranstaltet im Rahmen des Festivals PREMIÈRES am STAATSTHEATER KARLSRUHE.

05.06.2015 OUTER SPACE
06.06.2015 MITTLERES FOYER

Programm (PDF)

1988 zeigte Ilya Kabakov in der Galerie Feldmann in New York die Ausstellung „Ten Characters“, eine Installation, die aus zwei sorgsam installierten russischen Kommunalwohnungen bestand. Ein unachtsam abgestellter alter Stuhl, ein gefüllter Putzeimer und eine volle Wäscheleine vermittelten den Besucherinnen und Besuchern beim Durchschreiten der Räume den Eindruck, die Bewohner wären nur vorübergehend abwesend. Einer von ihnen allerdings hatte sich offenbar aus seiner mit kommunistischen Propagandaplakaten tapezierten Kammer mittels eines selbst gebauten Katapults in den Weltraum geschossen. Zumindest ließ das Loch in der Decke darauf schließen.

In Kabakovs immersiver Installation entwickelt sich über ein Gefüge von Gegenständen, Räumen, Licht und Texten, durch das der Betrachter geleitet wird, eine Art Geschichte. Installationen, die gleichzeitig als Bühnenraum fungieren, betritt man als Besucherin und Besucher auf Theaterfestivals und in Ausstellungen immer häufiger. Die Darsteller können Gegenstände, Schauspielerinnen und Schauspieler oder auch das Publikum selbst sein. Die Arbeiten von darstellenden Künstlerinnen und Künstlern wie Christoph Schlingensief, Ivana Müller, Rimini Protokoll oder von bildendenden Künstlern wie Janet Cardiff und George Bures Miller, Pierre Huyghe oder Walid Raad scheinen darauf angelegt, tradierte Rezeptions-und Darstellungsgefüge in Frage zu stellen.

Im Gegensatz zum narrativen Einsatz von Gegenständen bei Kabakov, setzen andere Künstlerinnen und Künstler, wie beispielsweise Heiner Goebbels in seiner performativen Installation „Stifters Dinge – The Unguided Tour“ (2013), Objekte als Darsteller ein oder nutzen sie wie William Forsythe in seinen choreographischen Installationen als Dinge, die eine Choreographie aktiv beeinflussen und selbst „performativ“ werden. Einen ähnlichen performativen Einsatz von Gegenständen findet man bereits in den 1960er Jahren in den Arbeiten Lygia Clarks, Franz Erhard Walthers oder Robert Morris‘.

Welche Arten der Erfahrung ermöglichen diese künstlerischen Arbeiten im entgrenzten Raum zwischen Installation und Performance? Welche Rolle spielen dabei die Performerinnen, das Publikum und die Räume, die einen umgeben? Können Gegenstände eingesetzt werden, um Geschichten zu erzählen? Wie aktivieren sie die Handelnden? Können sie auch selbst performativ werden? Wie entsteht der „immersive“ Effekt mancher Installationen, in die man eintaucht wie in eine andere Realität? Und ist es möglich, in der Immersion kritische Distanz zu bewahren? Was ist dann der Unterschied zu Darkrides oder Themenparks?

Studierende des Fachbereichs Ausstellungsdesign und Szenografie der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe und des Instituts für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (ATW) konzipieren, organisieren und gestalten ein gemeinsames thematisches Wochenende, das im Rahmen des Festivals PREMIÈRES am Badischen Staatstheater Karlsruhe vom 5. bis zum 6. Juni 2015 stattfindet. Bei dieser Veranstaltung sollen die hier skizzierten Fragestellungen zu narrativen Räumen, immersiven Installationen und performativen Objekten wissenschaftlich und künstlerisch verhandelt werden. Im Rahmen von Vorträgen und Gesprächen mit Gästen wie Anne Imhof, André Eiermann, Herbordt & Mohren, Stefan Kaegi (Rimini Protokoll), Kirsten Maar, Thomas Bo Nilsson, Juliane Rebentisch und Benjamin Wihstutz sollen einzelne künstlerische Arbeiten vorgestellt und Aspekte dieser Arbeiten von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Kunstschaffenden diskutiert werden. Darüber hinaus werden performative Installationen von jungen Künstlerinnen und Künstlern gezeigt.

Eine Kooperation der HfG Karlsruhe, der ATW der Justus-Liebig-Universität Gießen und des Badischen Staatstheaters Karlsruhe, unter Beteiligung der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Stuttgart und der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg. Projektleitung: Prof. Anja Dorn (HfG Karlsruhe) und Dr. Philipp Schulte (ATW, Justus-Liebig-Universität Gießen).

Anmeldungen zum thematischen Wochenende unter installative.performance@staatstheater.karlsruhe.de

Eintritt frei!

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