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EUROPA, DU BIST DRAN - Das 10. Festival PREMIÈRES ist beendet!

 - Foto: Alexandre Schlub

4 Sprachen – 7 Spielorte – 8 Länder – 10 Inszenierungen – 23 Vorstellungen und 1 Jubiläum
Festival PREMIÈRES junger europäischer Regisseure in Karlsruhe erfolgreich beendet

Das 10. Festival junger europäischer Regisseure endete mit der Weitergabe der PREMIÈRES-Flaggen durch Festivalleiter Jan Linders an den Programmdirektor des Théâtre National de Strasbourg, Bertrand Salanon, und den Direktor des Maillon, Bernard Fleury, am Sonntagabend. Es fand zum zweiten Mal in Karlsruhe statt. Vier Tage lang waren zehn Produktionen aus acht europäischen Ländern in sieben Spielstätten zu sehen. 23 Vorstellungen, von denen 14 ausverkauft waren, wurden gezeigt und sogar eine zusätzliche Vorstellung wegen der großen Nachfrage angesetzt. 550 Zuschauer aus Frankreich kamen mit Shuttlebussen und auf eigene Faust über den Rhein nach Karlsruhe. Insgesamt zählte das Festival 2400 Besucher, dazu über 100 Teilnehmer eines wissenschaftlichen Symposiums und viele weitere Gäste bei den Partys.

In diesem Erfolg zeige sich einmal mehr, „dass Europa junge Künstler braucht, die die politische Diskussion aufgreifen und sich einmischen. Sie bearbeiten Themen wie funktionierende Demokratie, Kriegstraumata, Sterbehilfe, Schuldenkrise und Geschlechterrollen. So relevant wollen wir weitermachen und fassen die nächsten zehn Jahre ins Auge“, so der Co-Festivalleiter des STAATSTHEATERS Jan Linders zum Abschluss.

Die Vielfalt von jungen europäischen Regiehandschriften zu zeigen, ist das Ziel des Festivals. Barbara Engelhardt hat für diese Ausgabe über 100 Produktionen gesichtet und daraus 10 aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Georgien, den Niederlanden, Norwegen, Österreich und Rumänien eingeladen. „Junge Theatermacher, die mehr und mehr im Kollektiv arbeiten, verbinden klassische Texte mit politischer Recherche“, so beschreibt die Festivalkuratorin den aktuellen Trend und die Arbeitsweise der Teams, die in diesem Jahr die vier Tage in Karlsruhe geprägt haben.

Bernard Fleury freut sich als Mitgründer besonders über das Jubiläum: „Das Festival hat sich bei Fachwelt und Publikum etabliert, ist ein Begriff für die meisten jungen Regisseure in Europa und nimmt seit drei Jahren einen bedeutenden Platz in der deutsch-französischen kulturellen Zusammenarbeit ein“. Bertrand Salanon, neu am TNS in Straßburg, zeigte sich beeindruckt von der künstlerischen Energie des Festivals.

Der Generalintendant des STAATSTHEATERS KARLSRUHE, Peter Spuhler, sieht das Festival als beispielhaft für einen gelebten europäischen Gedanken. „Es ist partnerschaftlich, sinnvoll und erfolgreich. Ich hoffe sehr, dass wir und das Maillon zusammen mit dem neuen Intendanten des Théâtre National de Strasbourg PREMIÈRES fortführen und weiterentwickeln werden.“

Seit 2005 hat das Festival vielen mittlerweile berühmten und gefragten Regisseuren die Türen geöffnet. Wie beispielsweise der Polin Marta Górnicka, den Ungarn Viktor Bodó, Kornél Mundruczó und Csaba Polgár, dem Schweizer Roger Vontobel, dem Deutsch-Portugiesen Antú Romero Nunes, dem Griechen Sarantos Zervoulakos, dem Belgier Fabrice Murgia und dem Deutschen Tilmann Köhler.

Die 23 Vorstellungen und ein internationales Performance-Symposium mit vier Installationen fanden in sieben Spielstätten statt: im KLEINEN HAUS, im STUDIO, im OUTER SPACE auf der PROBEBÜHNE und im MALSAAL des STAATSTHEATERS, in der INSEL sowie dem Studio der Hochschule für Gestaltung (HfG). Die Produktionen wurden alle mehrsprachig übertitelt, eine Besonderheit von PREMIÈRES. Eine tägliche, unabhängige deutsch-französische Festivalzeitung, mit französischen und deutschen Nachwuchskritikern besetzt, und ein zweisprachiger Blog berichteten unmittelbar vom Festivalgeschehen und sind weiterhin unter www.festivalpremieres.eu zu lesen.

Ermöglicht haben das diesjährige Festival die Baden-Württemberg-Stiftung und die Stadt Karlsruhe sowie das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Die Förderer auf französischer Seite sind die Stadt Straßburg, das Ministerium für Kultur und Kommunikation in der Region DRAC, die Region Alsace und das französische Kulturministerium.
 

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